Donnerstag, 18. Mai 2017

|Rezension| "The Female of the Species" von Mindy McGinnis

The Female of the Species | Mindy McGinnis | Katherine Tegen Books | Englisch | Hardcover | ca. 15€ | Kaufen? 
  
Alex Craft knows how to kill someone. And she doesn’t feel bad about it. When her older sister, Anna, was murdered three years ago and the killer walked free, Alex uncaged the language she knows best. The language of violence.

While her crime goes unpunished, Alex knows she can’t be trusted among other people, even in her small hometown. She relegates herself to the shadows, a girl who goes unseen in plain sight, unremarkable in the high school hallways.

But Jack Fisher sees her. He’s the guy all other guys want to be: the star athlete gunning for valedictorian with the prom queen on his arm. Guilt over the role he played the night Anna’s body was discovered hasn’t let him forget Alex over the years, and now her green eyes amid a constellation of freckles have his attention. He doesn’t want to only see Alex Craft; he wants to know her.

So does Peekay, the preacher’s kid, a girl whose identity is entangled with her dad’s job, though that does not stop her from knowing the taste of beer or missing the touch of her ex-boyfriend. When Peekay and Alex start working together at the animal shelter, a friendship forms and Alex’s protective nature extends to more than just the dogs and cats they care for.

Circumstances bring Alex, Jack, and Peekay together as their senior year unfolds. While partying one night, Alex’s darker nature breaks out, setting the teens on a collision course that will change their lives forever.

 
The Fray ist eigentlich immer eine gute Wahl für eher ruhigere Bücher beziehungsweise Geschichten, die von der Atmosphäre leben. 

 
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr von einem Buch etwas komplett anderes erwartet, vielleicht eher damit rechnet, ein eher mittelmäßiges Buch zu bekommen, und im Endeffekt realisiert, dass ihr etwas ganz anderes gelesen habt, aber genau dadurch ein grandioses Werk bekamt? So ging es mir mit „The Female of the Species“ von Mindy McGinnis. Seitdem ich von ihrem Buch „A Madness so Discreet“ so begeistert war, wollte ich unbedingt weitere Bücher von ihr lesen, wobei dieses am meisten meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Leider habe ich aber vor allem mittelmäßiges über das Buch gehört und bin eher mit mittelmäßigen Erwartungen an die Geschichte herangetreten. Vollkommen zu unrecht, denn das Buch hat mich auf so vielen Ebenen mitgenommen, begeistert und zum nachdenken gebracht und mir einfach genau das gegeben, wonach ich schon so lange in Jugendbüchern suche...


In dem Buch geht es um die siebzehnjährige Alex Craft, welche ihre Schwester durch einen Mord verloren hat und seitdem eher unauffällig und ohne soziale Kontakte durch ihre Kleinstadt zieht, bis sie eines Tages durch einen Job beim Tierheim beginnt, Freunde zu finden. Aber Alex verbrigt eine dunkles Geheimnis, dass sie davon abhält, ihren Träumen zu folgen.

Was ein bisschen wie eine schlechte Twilightabklatsche klingt, ist in Wirklichkeit alles, was ihr wirklich über dieses Buch wissen solltet. Sowieso bin ich ein großer Freund davon, so wenig wie möglich über ein Buch zu wissen, bevor man es im Endeffekt liest, aber bei diesem Buch kann ich es nur wieder besonders betonen. Ein Grund dafür ist vor allem, dass die Geschichte sich nicht wirklich auf einen Plot fokussiert, einen roten Faden findet man nicht wirklich in diesem Buch, dafür aber ein Werk, welches sich sehr auf seine Charaktere und die Atmosphäre fokussiert und vor allem auf eine Thema, welches mir unheimlich am Herzen liegt: Feminismus.


Man kann wahrlich sagen, dass das Buch von seinen Charakteren lebt, weswegen ich verstehen kann, dass man das Buch vielleicht nicht allzu sehr mag, wenn man mit den Charakteren nicht warm wird. Ich allerdings habe mich unglaublich in diese Truppe verliebt. Es war wundervoll zu sehen, wie sie alle unglaublich unterschiedlich und tiefgründig gezeichnet wurden und sich jeder einzelne auf seine Weise durch die Geschichte hindurch entwickelt hat. Wie sie alle gewachsen sind, je weiter das Buch sich zuspitzte und alle auf ihre Art und Weise mich für sich einnehmen konnten. Besonders Peekay ist mir sehr ans Herz gewachsen, sie ist einfach so ein unendlich freundlicher und sorgsamer Mensch, der einen aber durch die Geschichte hindurch zeigt, dass genau dieses gute Herz die größte Stärke sein kann.

Sowieso war einer der besten Aspekte dieses Buches der riesige Freundschaftsaspekt. Ich vermisse es so sehr in Jugendbüchern, dass es wirklich mal gute und tiefgründige Freundschaften gibt, aber dieses Buch hat in dieser Hinsicht alles richtig gemacht. Ich habe die Freundschaft zwischen Peekay und Alex geliebt! Es hat mir teilweise Tränen in die Augen getrieben, wie tief die beiden verbunden sind, dass sie füreinander einstehen, aufeinander aufpassen und immer füreinander da sind. Aber ich habe es auch geliebt, wie sie Mädelsabende veranstaltet haben und dafür auch mal ein Date sausen ließen, wie sie ihre kleinen Insider hatten und gemeinsam einfach den Alltag bestanden haben, an guten wie an schlechten Tagen. Ich wünsche mir so sehr, dass mehr Jugendbücher Heranwachsenden zeigen, wie wichtig und wertvoll eine solche Freundschaft ist.


Ein weiteres Thema, welches ich gerne in mehr (Jugend-)Büchern aufgegriffen sehen möchte, ist Feminismus. Ich fand es fantastisch, wie Mindy McGinnis es geschafft hat, so unglaublich viele wichtige Aspekte rund um Feminismus in ihr Buch mitaufzunehmen, sie ganz natürlich in die Story einzuweben, ohne den moralischen Zeigefinger den Leser ins Auge zu bohren. Dadurch hat sie es geschafft, mit ihrer Geschichte zu zeigen, wie aktuell und auch relevant Feminismus in unserer heutigen Gesellschaft ist. Gerade das Thema Rape Culture wurde hier schonungslos ehrlich behandelt und hat mich mehr als einmal schockiert zurückgelassen. Ich fand es aber so wunderbar, wie McGinnis durch ihre Geschichte das Thema Rape Culture auf eine nachvollziehbare und schockierende Ebene runtergebrochen hat, die wohl jeden Leser zum Nachdenken anregt. Besonders die Verharmlosung und allgemeine Akzeptanz von vielen Rape Culture Aspekten wurden hier verdeutlicht und haben mich mehr als einmal wachgerüttelt und zum nachdenken gebracht. Dazu kam der Aspekte, dass McGinnis ebenfalls dafür gesorgt hat, dass in ihrem Buch Möglichkeiten erwähnt werden, um Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung vorzubeugen und darüber offen zu reden. Gerade Themen wie Victim Blaming wurden hier wunderbar aufgeschlüsselt und brutal ehrlich erzählt.


Aber auch andere feministische Aspekte hatte dieses Buch zu bieten. Das typische „Nicht wie andere Mädchen“, Slut-Shaming und allgemeiner Girl-Hate, welchen man so oft in anderen Jugendbücher findet, wurden hier direkt angesprochen und aufgeschlüsselt, es wurde gezeigt, dass nichts und niemand das Recht hat, ein Mädchen als Schlampe zu bezeichnen, nur weil sie mit vielen Kerlen schläft oder sie „zu sehr schminkt“. Auch fand ich es klasse, dass aufgegriffen wurde, mit welchen Challenges viele Frauen auch heute noch in unserer heutigen Gesellschaft konfrontiert werden und die Art und Weise, wie McGinnis in ihrer Geschichte immer wieder Alltagssexismus aufgegriffen hat, um den Leser zu zeigen, was für einen langen Weg unsere Gesellschaft eigentlich noch zu gehen hat.

Allgemein ist dieses Buch einfach so gefüllt mit wichtigen Themen, dass ich es am liebsten jeden in die Hand drücken würde, damit er dieses Buch liest. Denn es mag unglaublich düster und brutal ehrlich sein, aber es ist so wichtig. Denn nicht nur Freundschaft und Feminismus finden hier Erwähnung, auch Themen wie Verlust und Vergeben werden thematisiert und die Rolle der Eltern im Leben eines Teenagers ehrlich und liebevoll porträtiert. Ich hasse es, wenn die Eltern in Contemporarybüchern kaum bis gar keine Rolle spielen, schließlich ist gerade die Familie eine Instanz, die einen heranwachsenden Menschen sehr prägt. In diesem Buch hatten wir zwei unglaublich tolle Elternpaare, die mit so viel Liebe und Wärme sich um ihre Kinder gekümmert haben und die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Aber auch problematische Eltern-Kind-Beziehungen werden nicht unter den Tisch gekehrt, sondern offen und ehrlich angesprochen, sodass auch hier erneut die grandiose Tiefgründigkeit des Buches hervortritt. Ein weiterer Aspekt, den ich geniale fand, war der zentrale moralische Konflikt, der bis zum Ende ungelöst blieb und den jeder einzelne Leser für sich selbst aussortieren muss. Denn bis zum letzten Satz schwebt neben vielen anderen wichtigen Denkanstößen vor allem eine Frage über der Geschichte und den Charakteren: Ist das Gerechtigkeit?


Aber, obwohl ich dieses Buch wirklich unglaublich geliebt habe und es am liebsten jeden lesen lassen möchte, ein paar kleine Kritikpunkte habe ich dennoch. Zum Beispiel fand ich die Liebesgeschichte lange Zeit einfach sehr oberflächlich und ziemlich Insta-Love-mäßig, wobei sie zum Ende hin gerade wirklich gut und emotional wurde. Außerdem glaube ich, dass dem Buch insgesamt 100 Seiten mehr nicht geschadet hätten, denn gerade dass Ende war ziemlich plötzlich und hinterließ bei mir das Gefühl, dass viele Sachen einfach noch nicht geklärt waren und einfach zu viel offen blieb. Aber wie gesagt, dass ist wirklich kritisieren von Kleinigkeiten.


Alles in einem bin ich einfach nur froh, dieses Buch gelesen zu haben. Ich habe so wenig von dieser Geschichte erwartet und so viel bekommen und kann es euch allen einfach nur ans Herz legen. Denn dieses Jugendbuch bietet das, was ich mir schon so lange von Jugendbüchern wünsche: Eine großartige Freundschaft, die tiefgründig und warmherzig beschrieben wird, Diversity in der Charakterauswahl, verschiedene wichtige Aspekte aus dem Bereich Feminismus, welche nahtlos in die Story übergehen und den Leser auf jeder Seite dazu anregen, nachzudenken und sein eigenes Handeln zu reflektieren. Gerade Themen wie Rape Culture, Slut Shaming, Girl-Hate, Alltagssexismus und andere „Tabu-Themen“ werden nicht unter den Tisch fallen gelassen, sonder brutal ehrlich und provozierend behandelt. Ein Jugendbuch, wie ich mir wahrlich mehr wünsche würde. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

 

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